Tiefgründige Kunst

Schritt für Schritt erklimmt sie die Stufen zur Hölle. Vor zehn Monaten hatte sie sich geschworen, nie wieder einen Schritt auf diese Treppe zu setzen. Das Verlangen, einen Ausflug in ihre persönliche Sperrzone zu machen, war dann doch stärker. Satan säuselte nämlich mit seiner sexy Stimme, er habe teuflische Lust auf Kunst mit ihr. “Tiefgründige Werke”, denkt sie lasziv. Sie weiß genau, welche Knöpfe sie bei ihrem Teufel drücken muss, damit er zu kreativer Höchstform aufläuft.
Ihre Gefühle sind Privatsache. Den Wunsch, eine Stino-Beziehung zu führen, hat sie eh längst ad acta gelegt. “Stino” gleich stinknormal und langweilig, Beziehung in Berlin gleich Illusion. Mit Inspiration soll er sie stopfen. Zweihundertprozentig sicher ist sie sich, dass er es wieder tun wird.
Entschlossen schreitet sie durch den schummerig beleuchteten Gang zu seiner Wohnung im achten Stock. “Klack-klack” hallen die Absätze ihrer kniehohen schwarzen Stiefel auf dem gelben Linoleum nach. Ein muffiger Geruch steht in der Luft. Im siebten Stock sei vor einem Monat ein Mann gestorben und wochenlang habe es keine Sau bemerkt, erzählte er ihr beim feucht-fröhlichen Wiedersehen vor drei Tagen.
Sie geht vorbei an der Stelle, wo der alte Halodri sie vor elf Monaten an die Wand gepresst und mit seinen Küssen fast ohnmächtig gemacht hat. Die Szene läuft in ihrer Erinnerung ab wie ein heißer Film im Stil von “Neuneinhalb Wochen”.
Am Ende des Korridors drückt sie auf die Klingel mit dem Namen Ficker. Sie kann seine blumigen Pheromone schon riechen. Es stört sie nicht, dass die Dämonen in ihrer linken Brusthälfte hochexplosive Energiesalven abfeuern. Kein unbekanntes Phänomen vor dieser Tür. Sie hat es bereits so sehnsüchtig erwartet wie ein kleines Kind den Weihnachtsmann. Mit einer kindlichen Mischung aus Spannung, Angst und Vorfreude steht sie vor ihm, als er die Tür ein paar Sekunden später öffnet.
“Hallo Tommi”, sagt sie erwachsen cool.

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Erotische Kunst

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