Sommersonnenwende

Auf den Schlussapplaus verzichte ich gerne. Ich will nur noch raus hier. Der Laden ist echt zu ranzig! Ich bin eine große Künstlerin und habe Besseres verdient als dieses abgefuckte Neuköllner Hinterhof-Theater. Schade, dass das heute Abend keiner erkannt hat! Ist wohl nicht der richtige Ort für ein anspruchsvolles Ein-Frauen-Stück wie Herr Bumsfallera. Wenn ich erst wieder in den Armen von Herrn Bumsfallera liege … Er wartet bestimmt schon auf mich. Das Fußballspiel muss längst zu Ende sein. Was für eine Frechheit, mich mit all den Möchtegern-Künstlern in eine Garderobe zu stecken! Diese Abstellkammer hat gerade mal zwölf Quadratmeter. Wenn es hoch kommt! Die Veranstalterin verherrlicht da draußen das Thema Prostitution, während ich meine Beziehung zu bindungsunfähigen Männern aufs Korn nehme. Passt das zusammen? Nein!

Tommi, meine Muse! Selten so kreativ gewesen! Der muss nur die richtigen Knöpfe drücken. And he strikes like thunderball … Diese Zeile aus dem alten Bond-Song, bei dem ich immer Gänsehaut kriege. Tom Jones singt und Tommi lässt die Funken sprühen. Zum Glück weiß keiner aus der Kunstszene so richtig, was in meinem Leben abgeht. Der Kerl ist wie ein Virus. Ich liebe ihn. Wo sind eigentlich meine Klamotten? Fuck! Irgendein Idiot hat sein Puder und Chipskrümel auf meine Reisetasche gefeuert. Wer hat denn den Mülleimer umgestoßen? Cola wurde auch verschüttet. Klebrige Sauerei! Draußen auf der Bühne Katzenmusik. Da jault der Zwitter in dem nuttigen Outfit. Wie er vorhin lange Reden geschwungen hat, dass er mitten im Lied sein Lackröckchen hochreißt und mit seiner Mischung aus Schwanz und Muschi vor dem Publikum wedelt … Ich habe wieder Perlen vor die Säue geworfen. Wenn die Kampflesbe, die den Scheiß hier organisiert, mich wenigstens anständig bezahlen würde! Wissen die Zuschauer eigentlich, wie lange ich an einem Stück schreibe und probe? Ich vergieße hier mein Herzblut zum Nulltarif! Aber egal, Coco hat jetzt Feierabend und keinen interessiert, ob ich bis zum Schlussapplaus bleibe. Einfach nur raus aus dem Kostüm. Vor Tommi kann ich auch ungeschminkt rumlaufen. Der findet mich immer attraktiv. Ein Segen für meine Füße, dass ich endlich die Plateauschuhe ausziehen kann! Für ein Stündchen noch mal rein in die Jeans und dann … Ich verbrenne vor Lust, wenn Tommi mir die Klamotten vom Leib reißt. Wir explodieren wie Wasserstoffbomben. So was Geiles hab‘ ich im ganzen Leben noch nicht erlebt! Nicht vor Tommi und nach ihm bestimmt nie wieder! Sein Mikro-Schwanz ist zweitrangig bei dieser mordsmäßigen Energie. Die 17 Jahre Altersunterschied auch. Wir kennen uns aus einem früheren Leben. Er war dieses wunderschöne schwarzhaarige Flittchen, das es mit jedem getrieben hat. Damals hatte ich die Eier in der Hose. Rein biologisch … Meine geliebte Johanna. Die schwarze Johanna! Ich war der schwarzen Johanna wie bescheuert verfallen und dann …

Oh, das Handy klingelt. Tommi!

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