Kopfromanze

„Blue Spanish Eyes“, jault der Alleinunterhalter in der Bar. In meinem Einzelzimmer im Grand Hotel Kloaković stinkt es nach Gulli, obwohl das Zimmermädchen versucht hat, die Nasenfolter mit Insektenspray zu vertuschen. Was soll’s – der Speisesaal müffelt nach Seniorenheim und ich chatte in der Lobby mit Freunden aus Berlin. In meinem Kopf trällert eine Operndiva das alte Volkslied „Die Gedanken sind frei“ – so wie ich, als ich vorgestern unter höchster Knöchelbruchgefahr einen steinigen Gipfel stürmte und in den blauen Augen von Reiseleiter Zlatko badete. Nur das Grünblau des Meeres finde ich ein klein wenig attraktiver. Ach ja, seit einer Woche weiß ich von Tommi Fickers Tod. Diesen „Wahnsinnsverlust“ habe ich ein paar Stunden nach der Nachricht auf der schönsten Terrasse südlich des Wannsees mit Wein begossen. Am Tag, als ich von Tommis Unfalls erfahren habe, verweilte ich nämlich gar nicht in Berlin, sondern auf einer aus Kreuzworträtseln bekannten kroatischen Insel mit drei Buchstaben. Jetzt schwärme ich eh von Zlatko, der wunderbar singen kann und so zuckersüß lächelt, dass ich dahin schmelze. Mir doch egal, ob der in Zagreb eine Freundin und einen vierjährigen Sohn hat! Denn meine Gedanken zerreißen die Schranken, heißt es in dem Lied. Ich denke andauernd an ihn!

(…)

Am Tablet in der Lobby

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